Ingenieurbauwerke aus Natursteinmauerwerk - untersuchen, bewerten & instandsetzen
08:45 - 09:00 Uhr erhalten_historischer_bauwerke-logo Begrüßung: Dr.-Ing. Gabriele Patitz,
Verein Erhalten historischer Bauwerke e.V., Karlsruhe
09:00 - 09:30 Uhr

Denkmalpflegerische Grundsätze für die Sanierung des Bremer Doms

Prof. Dr. Georg Skalecki

Ziel von Denkmalpflege ist es grundsätzlich, Denkmäler zu pflegen und sie in Art einer Prophylaxe so frühzeitig zu behandeln, dass schlimmere Schäden vermieden werden können. Erhalt der originalen historischen Substanz ist somit oberster Grundsatz.

Beim Bremer Dom waren es Schädigungen an der Fassade mit unterschiedlichen Ursachen und verschiedenen Auswirkungen, die Sorge machten. Durchfeuchtungen – bedingt durch Risse in den Fugen oder dem Mauerwerk – sind erste Schadensursache, durch Korrosion arbeitende und sprengende Eisenanker im Inneren des Mauerwerks zweite Ursache.

Der erste Schritt war die exakte Schadensaufnahme. Nach Analyse des Schadensbildes wurden die geeigneten Methoden der Bearbeitung festgelegt. Hierbei waren vielfältige Berater beteiligt: zum Beispiel Tragwerksplaner, Materialkundler, Restauratoren, diverse Handwerker sowie Planer, Architekten und Denkmalpfleger. Ziel war es, möglichst wenig originale Substanz zu verlieren und notwendige Reparaturen mit angepassten Materialien durchzuführen. Das historische Erscheinungsbild, einschließlich aller Alterungsspuren und einschließlich der Patina, sollte gewahrt werden.

Prof. Dr. Georg Skalecki
Jahrgang 1959
1980-1987 Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie, Vor- und Frühgeschichte sowie Alte und Neuere Geschichte an der Universität Saarbrücken
1987 Promotion: "Deutsche Architektur zur Zeit des 30-jährigen Krieges - Der Einfluss Italiens auf das deutsche Bauschaffen" (als Buch erschienen: Regensburg 1989)
1988-2001 Tätigkeit in der Staatlichen Denkmalpflege des Saarlandes, zuletzt als Leiter des Referates Inventarisation und stellvertretender Landeskonservator
Seit 2001 Landeskonservator und Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Bremen
Seit 1994 Lehrbeauftragter für Baugeschichte und Denkmalpflege an den Universitäten Trier, Saarbrücken und Bremen sowie der Hochschule Bremen
Seit 2006 Honorarprofessor am Institut für Kunstwissenschaft der Universität Bremen
Forschungsschwerpunkte: Renaissance- und Barock-Architektur, Industriekultur, Theorien der Denkmalpflege
Zahlreiche Fachpublikationen zur Baugeschichte und Denkmalpflege sowie Vorträge

09:30 - 10:00 Uhr

Architektur verstehen und vermitteln
Verfahren der Bauaufnahme und Anwendung in der Praxis

Dr.-Ing. Andreas Bruschke

Die Entwicklung die Vermessungstechnologien haben sowohl zu attraktiven Ergebnissen als auch zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Bauaufnahmen geführt. Es wird eingeschätzt, daß dadurch die Akzeptanz und die Nachfrage nach Vermessungen von Denkmalen, Gebäuden und Ingenieurbauwerken gestiegen ist. Der Bedarf kommt hauptsächlich aus dem Bereich der Sanierungsplanung und Restaurierung.

Unter den Bedingungen des Marktes nimmt der Preis dieser Dienstleistungen eine entscheidende Rolle ein. Regelmäßig fehlt jedoch eine ausreichende Definition der für die Sanierungs- und Restaurierungsplanungen notwendigen Anforderungen und Inhalte.
In dem Vortrag werden verschiedenste aber typische Projekte präsentiert. Anhand dieser Projekte wird der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen inhaltlichen Anforderungen und den jeweiligen Vermessungskonzepten dargestellt. Die Wirtschaftlichkeit einer Bauaufnahme wird letztlich durch den Nutzen bestimmt, der für die Sanierungsplanung entsteht. Mängel führen zu Kostensteigerungen und zeitlichen Verzögerungen. Für die Sicherung der Qualität einer Bauaufnahme sind deshalb neben klaren inhaltlichen Vorgaben auch die objekt- und aufgabenbezogenen technologischen Rahmenbedingungen entscheidend.

10:00 - 10:30 Uhr

Anwendung von Radar zur Mauerwerkserkundung

Dr.-Ing. Gabriele Patitz

An Bauornamentik sowie für großflächige und effektive Voruntersuchungen können die zerstörungsfreien Verfahren Radar, Ultraschall und Mikroseismik an Natursteinmauerwerk eingesetzt werden.

Deren erfolgreiche Anwendung erfordern Spezialwissen und Erfahrungen an Bauwerken von Bauingenieur und Geophysiker.
Die Geräte, deren Handhabung, die Darstellung der Ergebnisse, erzielbare Genauigkeiten und anfallende Kosten werden anhand von Praxisbeispielen wie Kirchenmauern und Stützmauern erläutert.

Frau Dr. Patitz kann aufgrund langjähriger Erfahrungen auf zahlreiche Referenzen verweisen. Viele Projekte wurden in der Fachliteratur veröffentlicht. Beispiele sind unter www.gabrielepatitz.de zu finden.

10:30 - 11:00 Uhr Pause
11:00 - 11:30 Uhr

Klima- und Feuchtemonitoring - Zustandsbewertung und Beitrag zur Erhaltung von historischer Bausubstanz

Prof Dr.-Ing. Harald Garrecht

Weitere Informationen zu dieser Vortragsveranstaltung erhalten Sie in Kürze...

11:30 - 12:00 Uhr

Sanierung und Sicherung von Natursteinbauwerken am Beispiel einer Stützmauer

Prof. Dr.-Ing. Erwin Schwing

Historische Bauwerke sind lebendige Zeugnisse der vergangenen Zeiten. Sie sind architektonische, bauliche und konstruktive Leistungen der jeweiligen Zeiten. Alte Bauwerke verfallen aber mit der Zeit mehr oder minder, dabei ist selbst die globale Standsicherheit der Bauwerke in Frage gestellt.

Dies gilt auch und insbesondere bei alten und historischen Ingenieurbauwerken aus Naturstein wie Burgmauern, Gewölben, Brücken und Stützmauern, deren Tragverhalten nicht unterschiedlicher sein kann.

Die Standsicherheit kann auf der Grundlage heutiger Normen oft nicht beurteilt werden. Für die genaue Berechnung helfen weder Tabellenwerte noch die Kenntnisse erfahrener Ingenieure bei Neubauten weiter. Derartige historische Bauwerke sind gesondert zu untersuchen und von Fall zu Fall zu bewerten. Dennoch erlauben neue Verfahren aus dem Bereich der Mauerwerkssanierung eine denkmalgerechte, technisch korrekte und kostengünstige Sicherung und Sanierung. Mit Hilfe moderner Untersuchungsmethoden, wissenschaftlich theoretischer Nachweistechniken und praktischer Verfahren wird die Sicherheit und Zuverlässigkeit der alten Konstruktion auf das heute erforderliche Maß gebracht. Eine vollständige Analyse des Bauzustands gibt es jedoch nicht. Es bleiben Informationsdefizite, da die Erkundungs- bzw. Analysemöglichkeiten in der Regel aus Kosten-Nutzen Überlegungen auf einen kleinen Stichprobenumfang begrenzt bleiben. Daraus ergibt sich, dass beim Bauen im Bestand immer ein mehr oder weniger großes Restrisiko verbleibt. Bauen im Bestand bedeutet damit, die Mittel und Methoden der Planung und der Bauüberwachung den tatsächlichen Anforderungen des jeweiligen Bauwerks anzupassen, um das Risiko vertretbar zu gestalten.

Anhand eines ausgewählten Beispiels soll das allgemeine Vorgehen an einer Stützmauer erläutert werden.

Ein Hinweis in eigener Sache sei bereits an dieser Stelle erlaubt: Es hat sich nach meiner Erfahrung bei der Arbeit mit bestehenden Bauwerken immer wieder gezeigt, dass die meisten Mängel und Fehler bei der Sanierung durch mangelhafte Kommunikation zwischen den Beteiligten verursacht sind.

1980 Diplom als Bauingenieur TU Karlsruhe
1980 Tätigkeit als selbstständiger Ingenieur in Indonesien
1981-1985 Angestellter im Ingenieurbüro, Tätigkeitsschwerpunkt gesamter Ingenieurbau, Prüfingenieur für Baustatik Stahl, Holz. und Massivbau
1985-1990 Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Bodenmechanik und Grundbau TU Karlsruhe
1990 Promotion ‚mit Auszeichnung’ an der TU Karlsruhe
1990-1992 Geschäftsführer in Bauunternehmung
1992 Berufung zum Professor für Geotechnik an die Fachhochschule Erfurt/Thüringen
1998 2. Berufung zum Professor für Geotechnik an die Hochschule Karlsruhe
2000 Dekan der Fakultät für Architektur und Bauwesen bis heute
  • Mitarbeit im Sonderforschungsbereich 315 ‚Erhaltung historisch bedeutsamer Bauwerke’
  • Lehrveranstaltungen an Deutschen und Internationalen Hochschulen (Karlsruhe, Dresden, Mumbai, Chennai, Singapur, Kuala Lumpur, Curitiba, Rio de Janeiro usw.)
  • Mitglied der Akkreditierungskommission ASIIN
  • Mitglied in der WTA, Leiter des Referats 7 ‚Statik’
  • Zahlreiche internationale Kontakte und Kooperation
  • Zahlreiche Veröffentlichungen und Forschungsvorhaben
12:00 - 12:30 Uhr

Statische Analyse von Bogentragwerken

Dipl.-Ing. Andreas Bewer

Durch die unübertroffene Dauerhaftigkeit von Stein, Mörtel und Opus Caementitium war das gemauerte Gewölbe über Jahrtausende ein Tragwerk ohne Konkurrenz. Durch die neuen Materialien des Stahls und des Betons wurde ab dem 19. Jahrhundert das Mauerwerksgewölbe fast vollständig verdrängt.

Da die Wahrscheinlichkeit, ein neues Gewölbe zu bauen, sehr gering ist, gehört die Statische Analyse von Bogentragwerken nicht mehr zum selbstverständlichen ingenieurtechnischen Wissenskanon der Gegenwart. Diese fehlende Erfahrung kann jedoch kompensiert werden durch eine systematische und strukturierte Auseinandersetzung mit der Fragestellung „Wie funktionieren Bogentragwerke?“ um im Ergebnis dann zu ganz konkreten Lösungsstrategien zu kommen.

Andreas Bewer, geboren 1960, 1990 Dipl.-Ing. Bauingenieur Universität Stuttgart, 1994 Beratender Ingenieur, Ingenieurkammer Baden – Württemberg, 2006 Fachingenieur für Ingenieurleistungen an historischen Gebäuden Fachliste 14a Ingenieurkammer Baden – Württemberg (Tragwerksplaner in der Denkmalpflege), 2008 Fachingenieur für die Überprüfung der Standsicherheit bestehender Bauwerke, Fachliste 35 Ingenieurkammer Baden - Württemberg

1990 – 1993 Schatz Projektplan GmbH Schorndorf (Gesamtplanung Architektur – Tragwerk – Technische Gebäudeausrüstung) Projektleiter Tragwerksplanung, 1994 – 1998 Universität Stuttgart, Fakultät Architektur, Mitarbeit am Institut für Tragkonstruktion und Konstruktives Entwerfen Prof. Bernhard Tokarz, Prof. Günter Eisenbiegler, 1994 Gründung von Bewer Ingenieure – Bauwerk, Tragwerk, Energie

12:30 - 13:30 Uhr Pause
13:30 - 14:00 Uhr

Konsolidierung von Natursteinmauerwerk durch Verfugung und Injektion

Prof.-Dr.-Ing. Sylvia Stürmer

Im natursteinreichen Süden Deutschland mit zahlreichen Bestandsbauten aus zum Teil verwitterungsaktiven Natursteinvaritäten kommt dem Fachwissen immer größere Bedeutung zu. Neben Ausführungstechniken für die Instandsetzung von Natursteinmauerwerken wird ein Überblick gegeben über Fugen-, Injektions- und Steinrestauriermörtel und deren Anwendung an Ingenieurbauwerken.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf die stoffliche Verträglichkeit mit der historischen Bausubstanz und die Anpassung der technischen und optischen Eigenschaften an den Natursteinbestand gelegt.

Dr. Sylvia Stürmer
Daisendorf, 16.03.2012

14:00 - 14:30 Uhr

Bremer Dom St. Petri - Natursteinrestaurierung an Türmen, Westwerk und Srebebögen

Gerhard Buchenau

Durch korrodierte Eisenklammern traten erhebliche Schädigungen des Natursteins in allen Fassadenbereichen des Bremer Doms auf.
Die Eisenteile mussten ausgebaut, teilweise durch Edelstahl ersetzt und die Fehlstellen mit Vierungen und Antragungen geschlossen werden.

Besonders anspruchsvoll gestaltete sich der Ausbau der Säulen und Kapitelle und der Bauteile der verglasten Rosette am Westwerk.
Zusätzlich wurden konstruktive Sicherungsmaßnahmen an den Strebebögen der Südfassade durchgeführt.

Gerhard Buchenau, geb. 1967, seit 1997 ist Gerhard Buchenau als Bauleiter und Restaurator bei der Claus Ellenberger Bau GmbH in Herleshausen beschäftigt und in den letzten Jahren bundesweit in der Denkmalpflege im Fachbereich Mauerwerksinstandsetzung und Natursteinrestaurierung tätig.

Gerhard Buchenau
Claus Ellenberger Bau GmbH
Abteilung Restaurierung und Denkmalpflege
Altefelder Straße 1
37293 Herleshausen
Tel.: 05654/9233313
buchenau@ellenberger-bau.de
www.ellenberger-bau.de

ab 15:30 Uhr

Führung Münster und Bauhütte Freiburg

Yvonne Faller

Das Freiburger Münster – Wahrzeichen der Stadt und Magnet für alle Besucher Freiburgs, betört vor allem wegen seiner einzigartigen, durchbrochenen Turmspitze, birgt aber auch in seinem Inneren eine große Anzahl mittelalterlicher Kunstwerke.

Der Bau wurde um 1200 begonnen und Mitte des 16. Jahrhunderts vollendet, die Bautätigkeit setzte sich jedoch mit zahlreichen Ergänzungen und Anbauten zur Verschönerung der Kirche fort. Parallel hierzu wurden immer wieder Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die bis zum heutigen Tag andauern. Diese Arbeiten teilen sich seit 1890 das Erzbischöfliche Bauamt und der Freiburger Münsterbauverein e.V. Der Verein betreibt einen seit über 800 Jahren existierenden Steinmetzbetrieb, die Münsterbauhütte, der für die Erhaltung und Ergänzung der steinernen Substanz sowie der filigranen Schmuckelemente verantwortlich ist.
Yvonne Faller ist freie Architektin und seit 2005 Münsterbaumeisterin. Sie zeigt im Rahmen der Führung die Konstruktions-Highlights des Münsters und gibt einen Überblick über die Tätigkeitsbereiche sowie Arbeitsweisen der Münsterbauhütte.