Erneuerbare Energien
09:30 - 10:15 Uhr

Die Zukunft gestalten – notwendige Rahmen-bedingungen für erneuerbare Energien

Andreas Markowsky

Andreas Markowsky, Jahrgang 1952, Diplomfinanzwirt, war 25 Jahre lang in leitender Position in der Kreditwirtschaft tätig. Mitte der 80er Jahre begann sein Engagement im Bereich Erneuerbare Energien, erst als Hobby, ab 2001 als Beruf.

AM ist geschäftsführender Gesellschafter der Ökostromgruppe Freiburg. Deren Unternehmen projektieren, planen, bauen und betreiben Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien. Aktuell wird Strom aus Erneuerbaren Energien produziert mit 30 Windenergieanlagen, 7 Wasserkraftwerken und über 120 Solarstromanlagen. Die Stromproduktion der Anlagen liegt bei ca. 80 Millionen Kilowattstunden, was dem Gesamtstromverbrauch einer Stadt von 27.000 Einwohnern entspricht.

Umgesetzt wurde der Bau der Anlagen in der Form der Bürgerbeteiligung mit bislang 20 Gesellschaften. Ein Teil der Projekte wurde in Kooperation mit kommunalen Energieversorgern realisiert.

Das Tätigkeitsfeld reicht von aufwändiger Lobbyarbeit, um die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine zukunftsfähige Energieversorgung ermöglichen, über das Durchführen von Genehmigungsverfahren sowie dem Errichten und Installieren von Wasserkraftwerken, Windenergie- und Fotovoltaikanlagen bis zur Geschäftsführung der Anlagen.

AMs Themen-Fokus ist die Energiewende in all ihren Facetten:
“Die heutige Energieversorgung schadet der Umwelt, verbraucht wertvolle Ressourcen, gefährdet den Frieden und birgt gravierende wirtschaftliche Risiken. Die Erneuerbaren Energien zeigen den Ausweg aus der Sackgasse. Damit sie sich durchsetzen, kann jeder Verantwortung übernehmen; sowohl für die Rahmenbedingungen durch gesellschaftliches und politisches Engagement als auch durch die Realisierung konkreter Projekte.“

10:15 - 10:30 Uhr Kaffeepause
10:30 - 11:15 Uhr

Chancen und Risiken bei Nutzung der oberflächennahen Geothermie

Prof. Dr. Ingo Sass

Im September 2007 wurden in der Stadt Staufen im Breisgau sieben Bohrungen mit einer Teufe bis ca. 140 m hergestellt, um das Rathaus der Stadt mit geothermischer Energie zu Heiz- und Kühlzwecken zu versorgen.

Im November/Dezember 2007 wurden Risse an Gebäuden in der Umgebung der Bohrlokation bemerkt, die auf Hebungen des Untergrundes zurückzuführen sind. Es ist bereits ein Schaden von über 40 Mio. Euro entstanden. Die Hebungen dauern weiter an. Die zeitliche Perspektive ist ungeklärt. Dieser Schadensfall führte in Baden-Württemberg dazu, dass der Umgang mit der Nutzung der oberflächennahen Geothermie wesentlich zurückhaltender und nicht mehr vorbehaltlos erfolgt.

Eine weitergehende, breite Nutzung von geothermischer Energie kann helfen, die CO2- Emmissionen deutlich zu reduzieren und damit nationale und internationale Ziele des Klimaschutzes zu erreichen. Dadurch könnte die Geothermie zu einer wesentlichen Säule der dezentralen Energieversorgung werden und einen bedeutenden Anteil am angestrebten zukünftigen regenerativen Energiemix darstellen. Zur effizienten und umweltverträglichen Nutzung oberflächennaher Geothermie sind hohe Anforderungen an die Funktionalität und Qualität der verwendeten Anlagenkomponenten eines Erdwärmesondensystems zu stellen. Eine ausreichende geothermische Erkundung ist die Grundlage einer sinnvollen Bemessung für eine Erdwärmesondenanlage. Hierzu sind die geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse am Vorhabenstandort zu erkunden.

Die qualifizierte Herstellung von Erdwärmesonden stellt hohe Anforderungen an die Bohrtechnik, den Einbau der Sonden, an das einzubringende Hinterfüllmaterial sowie an die Qualität der verwendeten Materialien und Komponenten. Als Maßnahmen zur Qualitätssicherung wird der Geothermal Response Test, Erdwärmesondenlogs (EWS- Logger) oder eine fachliche Begleitung der Bauarbeiten empfohlen. Der Grundwasserschutz erfordert in Anbetracht steigender Erdwärmesondenzahlen eine Methodik zur langfristigen Überwachung des Zustandes von Erdwärmesondensystemen. Ein Schadensausmaß kann durch qualifizierte Erkundungsmaßnahmen, Forschung und Anpassung der Technologie reduziert werden. Die Eintrittswahrscheinlichkeit wird durch die steigende Nutzung der Geothermie jedoch erhöht, gerade wenn zukünftig im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen im Bestand verstärkt auf geothermische Systeme gesetzt wird. Ein umfassendes Risikomanagement muss daher die Planungs-, Bau- und Betriebsphase einschließen.

Darmstadt, im März 2012

11:15 - 12:00 Uhr

Linachtalsperre Vöhrenbach - Geschichte, Instandsetzung und Betrieb aus Sicht des Eigentümers

Bürgermeister Robert Strumberger

12:00 - 13:30 Uhr Mittagspause
13:30 - 14:10 Uhr

Nutzungspotenziale der Geothermie im Wärmemarkt - Stand heute und Ausblick in die Zukunft

Dipl.-Ing. Holger Born

In der aktuellen Diskussion rund um die Energiewende in Deutschland wird ein starker Fokus auf die Versorgung mit elektrischer Energie gelegt. Der Wärmemarkt wird dabei oftmals ausgeklammert, obwohl hier – gerade für private Nutzer – große Potenziale für eine erneuerbare und klimafreundliche Versorgung sind.

Welchen Beitrag kann Geothermie an dieser Stelle leisten? Es werden die technischen und wirtschaftlichen Potentiale der Geothermie zur Versorgung einzelner Gebäude mit Wärme und Kälte dargestellt – vom klassischen Einfamilienhaus bis zu großen Solitären unterschiedlichster Nutzung. Außerdem werden die Möglichkeiten beleuchtet, wie Geothermie in Wärmenetzen zum Einsatz kommen kann, in der Spannbreite von kleinen und kleinsten Lösungen in neu erschlossenen Gebieten bis zur Umstellung bestehender Wärmenetze auf eine erneuerbare Energiequelle.

14:10 - 14:40 Uhr

Neubau einer Solar-Wasserstoff-Tankstelle

Dipl.-Ing. Jürgen Theobald

Zur Umstellung der Mobilität auf eine regenerative und klimafreundliche Energieversorgung stellt die Elektromobilität mit Wasserstoff aus regenerativen Energien und Brennstoffzellen eine zukunftsfähige Lösung dar.

Zur Verfügbarkeit des Wasserstoffes ist der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur erforderlich. Hierzu bildet die Wasserstofftankstelle in Freiburg einen wichtigen Eckpfeiler.

Die Tankstelle bei der Fülldrucke von 350/700 bar erreicht werden, erzeugt den Wasserstoff in einer integrierten Elektrolyseanlage, deren elektrische Energie mit einem hohen Deckungsgrad durch eine eigene PV-Anlage bereit gestellt wird. Die hierzu erforderlichen PV-Module sind auf einem punktgestützten Stahl-Flachtragwerk mit einer Neigung von 15° und den Abmessungen 8,60 x 12,0 m über der Tankstelle angeordnet. Die zentral angeordnete, im Boden eingespannte Stahlstütze übernimmt alle Lasten aus Eigengewicht, Nutz- und Horizontallasten. Die Torsionsstabilität wird durch zwei Abspannungen am unteren Rand der geneigten Fläche sichergestellt.

14:40 - 15:10 Uhr Kaffeepause
15:10 - 15:40 Uhr

Neubau von Klein-Windenergieanlagen

Dipl.-Ing. (FH) Christian Baumgartner

Aufgrund der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende, der ständig steigenden Energiepreise und der schwindenden natürlichen Ressourcen gewinnt die Windkraft immer mehr an Bedeutung.

Neben den großen On- und Offshore-Anlagen wird auch der Einsatz von Klein-Windenergieanlagen sowohl für Industrie, als auch für Privathaushalte wirtschaftlich immer interessanter.

Als Grundlage für die Erstellung einer KWEA müssen je nach Bundes- land verschiedene baurechtliche Anforderungen erfüllt werden. In Baden Württemberg gilt unter bestimmten Voraussetzungen eine Verfahrensfreiheit, für alle anderen Anlagen ist eine Baugenehmigung erforderlich. Zur Erlangung einer Baugenehmigung sind verschiedene konstruktive und technische Anforderungen zu erfüllen. Es ist ein Nachweis für die Standsicherheit der Anlage zu erbringen, die in den technischen Baubestimmungen eingeführten Vorschriften und Richtlinien für Windenergieanlagen sind zu beachten.

Im Vortrag wird auf die Besonderheiten bei der baurechtlichen Genehmigung von Klein-Windenergieanlagen und auf die zu berücksichtigenden Vorschriften und Regelwerke eingegangen.

15:40 - 16:20 Uhr

Heizen und Kühlen mit Abwasser - Neue regenerative Energien auf dem Vormarsch

Mark Biesalski

Mit durchschnittlich 20 Grad verlässt das Abwasser unsere Gebäude. Meist ungenutzt fließt dieser Energiestrom über die Kläranlage in das nächste Gewässer. Mit moderner Wärmetauschertechnologie lässt sich das hohe Energiepotenzial im Abwasser heben, um damit Gebäude zu heizen und zu klimatisieren.

Mit dieser innovativen, wirtschaftlichen Technologie wird der CO2-Ausstoß um bis zu 50 % gegenüber herkömmlicher Brennwerttechnik reduziert und aus dem Abfallprodukt Abwasser wird ein Wertstoff mit viel heimischer Energie.

Mark Biesalski:
40 Jahre, staatl. gepr. Bautechniker
seit 2004 Vertriebsleiter Uhrig Kanaltechnik GmbH
seit 2010 Leiter der Uhrig Kanaltechnik GmbH
als Referent auf zahlreichen Fachveranstaltungen zum Thema "Energie aus Abwasser" und "Reparaturverfahren in der geschlossenen Kanalsanierung"

16:20 - 17:00 Uhr

Chancen und Herausforderung Dezentraler Energieversorgung

Dipl. Ing. Wolfgang Frey

„Windkraft weiterentwickeln - auf unkonventionelle, originelle und effektive Weise“ – Das ist der Ausgangspunkt des großen Ökoprojekts „Free Energy“ von Wolfgang Frey. Mit dem Ausstieg aus der Kernkraft und den verheerenden CO2-Emissionen aus fossilen Kraftwerken, werden regenerative Energien und die dezentrale Energieversorgung immer wichtiger.

Doch der Platz für große Windräder ist begrenzt. Gleichzeitig sind Strommasten und andere Aufstellmöglichkeiten für Kleinwindräder zur Genüge vorhanden und können mit der Ergänzung von kleinen Windrädern nicht als störenden Eingriff in die Natur empfunden werden. Im Gegenteil: Strommasten, die mit einem kleinen Windrad bestückt sind und so als Ersatzmasten fungieren, bekommen eine doppelte Funktion und einen ökologischen Mehrwert.

Wir müssen uns nur einmal umschauen: Platz und Masten für kleine Windräder gibt es überall, ob auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern, auf Bäumen oder Strommasten. Für kleinere Rotoren können Bäume den Mast bilden ebenso wie Strommasten, weil sie genug Höhe haben. Mit dem Ausbau der dezentralen Energieversorgung ließen sich auch die Investitionskosten stark reduzieren.

Windräder kann es auch mitten in der Stadt geben. Das von Wolfgang Frey realisierte 2,10 m kleine Windrad auf dem Dach des Mehrfamilienhauses pro scholare im Freiburger Stadtteil Rieselfeld zeigt, dass innovative Ideen nicht immer großer politischer Entscheidungen bedürfen. Und das durchaus effektiv: Das kleine Windrad erzeugt Strom für die Gemeinschaftswaschmaschinen im Haus.

Kurzbiographie

Wolfgang Frey ist Architekt. Das von ihm in zweiter Generation geführte Büro (Bahlingen am Kaiserstuhl/Freiburg) hat seit 1959 zahlreiche Projekte in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz realisiert. Im Fokus seiner Arbeit steht die ökologische und nachhaltige Architektur und Stadtentwicklung. Auf der EXPO 2010 in Shanghai repräsentierten Frey Architekten für die Stadt Freiburg Projekte, die nach dem Fünf-Finger-Prinzip verwirklicht wurden und Beispiele für eine nachhaltige Architektur und Stadtentwicklung sind. Im Januar 2012 wurde Wolfgang Frey als einer von 60 „Übermorgenmachern“ vom Land Baden-Württemberg ausgezeichnet. Auf Einladung des chinesischen Vizebauministers Baoxing Qui hielt Wolfgang Frey bei der siebten Konferenz zu „Stadtentwicklung und Stadtplanung“ einen Vortrag in Guilin.

  • 1959 Gründung des Architekturbüros Frey durch Friedrich Frey in Bahlingen am Kaiserstuhl
  • 1960 * Wolfgang Frey
  • 1973 Installation erster Solaranlagen und Wärmepumpen in eigenfinanzierten Forschungsprojekten durch das Büro Frey
  • 1981-1987 Studium der Architektur an der Technischen Universität Berlin (Abschluss Diplom-Ingenieur) und Forschungsaufenthalte im Jemen, Indien, Portugal, Italien, Schweden, USA
  • 1987-1989 Entwicklung von Passivhauskonzepten und Hypokaustenheizsystemen
  • 1989 Eintritt in das väterliche Architekturbüro Frey
  • seit 1991 eigenverantwortlich für das Architekturbüro Frey tätig
  • 1998-2000 erstes Passivhaus unter ausschließlicher Verwendung regenerativer Materialien
  • 1997 Gründung der Bauträgergesellschaft Freie Liegenschaftsverwaltung GmbH
  • 2008 Gründung der französischen Baugesellschaft Construire c’est vivre SARL
  • 2009 Gründung der non-profit Solidarvermietungsgesellschaft pro scholare
  • 2010 Präsentation von Beispielen in nachhaltiger Architektur und Stadtentwicklung für die Stadt Freiburg auf der EXPO in Shanghai
  • 2011
    • Teilnahme an der European Sustainability Week in Brüssel
    • Auf Einladung des chinesischen Bauministeriums reist Wolfgang Frey Ende Juni zur "Conference on Urban Development and Planning" in Yangzhou und hält zwei Vorträge
    • Frey gründet die Freiburger Initiative „Free Energy“
  • 2012
    • „Free Energy“ wird als eine von 60 „ÜbermorgenmacherInnen“ vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk ausgezeichnet
    • Der chinesische Vizebauminister Baoxing Qui lädt Wolfgang Frey nach Guilin zur siebten Konferenz „Stadtentwicklung und Stadtplanung“ ein, um einen Vortrag über nachhaltige Baukonzepte zu halten
    • Persönliche Einladung des chinesischen Vizebauministers Baoxing Qui zu Strategiegesprächen
17:00 - 20:00 Uhr Awardveranstaltung