Vorbeugender baulicher Brandschutz Spezial
09:00 - 09:40 Uhr

Brandschutz und Bestandsschutz - Fallbeispiele

RA Stefan Koch

Der Bestandsschutz endet regelmäßig beim Vorliegen konkreter Gefahren. Für typische Fallkonstellationen (z. B. behördliches Anpassungsverlangen, Nutzungsänderung) wird anhand von ...

...Fallbeispielen aus der Beratungspraxis des Referenten dargelegt, wie man den Rechtsbegriff der „konkreten Gefahr“ in diesem Zusammenhang nachvollziehbar anwenden kann. Neben einer zusammenfassenden Darstellung der juristischen Grundlagen werden dabei Argumentationsmöglichkeiten aufgezeigt, welche den Rahmen für die brandschutztechnische Beurteilung bilden können. Die Zuhörer sollen so in die Lage versetzt werden, auf den Einzelfall bezogene, eigene Argumentationslinien zu entwickeln und in ihrem Berufsalltag anzuwenden.

09:40 - 10:20 Uhr

Nachweisführung der Entrauchung mit Methoden des Brandschutz-Ingenieurwesens

Dipl.-Ing. Bernd Konrath

Die Rauchfreihaltung von Flucht- und Rettungswegen ist ein bedeutendes Ziel des vorbeu- genden Brandschutzes. In komplexen Räumlichkeiten werden die hierzu erforderlichen Maßnahmen mittels ingenieurmäßigen Methoden des Brandschutzwesens erarbeitet.

Die verwendeten Methoden müssen in der Lage sein, die Rauchausbreitung im Brandfall, also einen Strömungsvorgang, mit der für die Beurteilung von Sicherheitsaspekten notwendigen Genauigkeit darzustellen. Man unterscheidet in numerische und physikalische Modellierung der Rauchausbreitung. Die numerischen Methoden reichen dabei von einfachen Handre- chenverfahren (Plumemodelle) über Zonenmodelle zu Feldmodellen (Computational Fluid Dynamics CFD) bei Rauchausbreitungsvorgängen oder Zonen-Knoten-Modellen bei Druck- belüftungen bzw. Rauchverdrängungsproblemen. Bei physikalischer Modellierung werden entweder in maßstäblich verkleinerten Gebäuden Modellbrände nachgebildet oder reale Brandverläufe werden in ausgeführten Bauwerken modelliert bzw. kontrolliert nachgestellt.

Zur Sicherstellung der Anlagenfunktion werden heute in sehr vielen Fällen für neue Anlagen Abnahmeversuche vorgeschrieben. Allerdings weichen die Brandsimulationen dieser Ab- nahmeversuche häufig extrem von den Bemessungsbränden ab, auf deren Basis die Ent- rauchungsmaßnahmen ausgelegt wurden. Eine Bewertung der Rauchausbreitungsvorgänge ist dann vielfach nur unter Berücksichtigung der Ähnlichkeitsgesetzmäßigkeiten der Strö- mungsmechanik durchführbar, wenn hinreichend viele Messergebnisse, z. B. der Strö- mungsgeschwindigkeiten oder Lufttemperaturen vorliegen. Eine bessere Möglichkeit zur Bewertung der Entrauchungsmaßnahmen ergibt sich hier bei realitätsnaher Simulation der Brandgeschehen.

Der Beitrag weist auf Anwendungsgrenzen der verschiedenen Methoden hin und berichtet über die Durchführung von Realbrandversuchen in verschiedenen Bauwerken und Tunneln und den daraus erhaltenen Erkenntnissen.

10:20 - 10:40 Uhr Mittagspause
10:40 - 11:20 Uhr

Haftung und Versicherungsschutz bei Abweichen von allgemein anerkannten Regeln der Technik

Dipl.-Jur. Bernd Mikosch

Das Abweichen von allgemein anerkannten Regeln der Technik ist im Brandschutz die Regel. Auftraggeber beantragen Befreiungen von sicherheitsrelevanten Vorschriften der Landesbauordnungen, meist schlicht um Kosten zu sparen. Das führt zu Haftungsrisiken für die Ingenieurbüros im Schadenfall oder wenn Behörden Ausnahmegenehmigungen rückgängig machen.

Schon im ersten Bauforschungsbericht der Bundesregierung 1989 wurden Verstöße gegen die a.a.R.d.T. als eine der wesentlichen Ursachen von Mängeln und Schäden am Bau und damit als eine brisante Schnittstelle zwischen Technik und Recht angesprochen. In nahezu jedem Bauprozess werden technische Normen relevant und lösen die Fragestellung aus, welche Kriterien bei der Bestimmung der Qualität einer Bauleistung zugrunde zu legen sind. Regelmäßig gelten dabei als Mindeststandard die a.a.R.d.T. Was ist aber genau darunter zu verstehen? Wann wird er eingehalten? Und unter welchen Prämissen sind Abweichungen von der Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt?

11:20 - 12:00 Uhr

Anlagentechnische Maßnahmen als Kompensation zum baulichen Brandschutz

Andreas Schneckener

Die Zielsetzung des vorbeugenden Brandschutzes, bestehend aus den drei Teilbereichen baulicher, anlagentechnischer und organisatorischer Brandschutz, ist stets die Erreichung der festgelegten Schutzziele.

Bei gleichen Schutzzielen hat der anlagentechnische gegenüber dem baulichen Brandschutz jedoch wirtschaftlich deutliche Vorteile. Bauliche Lösungen sind meist starr und kalkulieren die Zerstörung innerhalb eines Brandabschnitts mit ein. So kann die Wertschöpfung eines Unternehmens durch einen Brand erheblich gestört werden. Eine anlagentechnische Lösung bietet mehr Flexibilität und kann somit dynamisch auf Brandereignisse reagieren. So verkürzt eine frühe Detektion und Alarmierung die Fluchtzeit und ermöglicht eine sofortige Brandbekämpfung. Besonders bei der Modernisierung von Bestandsbauten oder denkmalgeschützten Gebäuden können anlagentechnische Brandschutzsysteme die Kosten signifikant reduzieren. Durch ein enges Raster an regelmäßigen Prüfungen und Kompetenzkriterien (DIN 14675) ist die Funktionsfähigkeit der anlagentechnischen Lösung dabei jederzeit sicher gestellt.

Andreas Schneckener ist verantwortlicher Produktmanager des Geschäftsbereiches Brandmeldesysteme der Hekatron Vertriebs GmbH in Sulzburg. Er ist zudem in verschiedenen Arbeitskreisen des Zentralverbands der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V (ZVEI) engagiert.

12:00 - 13:15 Uhr Mittagspause
13:15 - 13:50 Uhr

Druckbelüftungsanlagen – Bemessung von witterungsunabhängigen Differenzdruckanlagen

Dipl.‐Ing. Michael Narr
  • Was sind Differenzdrucksysteme?
  • Begriffe DDA, RDA
  • Überblick Differenzdrucksystem
  • Bemessungsbeispiel Differenzdruckanlage (Isotherm)
  • Was ist Konvektion und welche Auswirkung hat diese im Treppenraum?
  • Technische Maßnahmen zur Kompensation der Konvektion
  • Berechnung einer DDA, Anisothermer Fall im Winter

Dipl.-Ing. Michael Narr
Studierte Versorgungstechnik, technische Gebäudeausrüstung an der FH Gelsenkirchen
verheiratet, ein Sohn und eine Tochter.
1992 – 2006: Projektingenieur im Planungsbüro
2007 – 2009: Technischer Außendienst bei Strulik GmbH
seit 2010: Bereichsleiter Systemtechnik Schwerpunkt DDA

13:50 - 14:30 Uhr

Auslegung nach DIN 18230 im Baugenehmigungsverfahren

Dipl.-Ing. Dirk Engels

Weitere Informationen zu dieser Vortragsveranstaltung erhalten Sie in Kürze...

14:30 - 15:10 Uhr

Schutzzielorientierte Brandschutzkonzepte im Baugenehmigungsverfahren

Brandassessor Peter Hilgers

Weitere Informationen zu dieser Vortragsveranstaltung erhalten Sie in Kürze...

15:10 - 15:30 Uhr Kaffeepause
15:30 - 16:15 Uhr

Das Brandschutzkonzept als ganzheitliche Planungsgrundlage

Dipl.‐Ing. (FH) Jörg Braun

Weitere Informationen zu dieser Vortragsveranstaltung erhalten Sie in Kürze...

16:15 - 17:00 Uhr

Neue Planungsperspektiven durch Computersimulationen im vorbeugenden Brandschutz

Dipl.-Ing. (FH) Ralf Galster

In den letzen Jahren wurden im Bereich des Brandschutzingenieurwesens große wissenschaftliche Fortschritte gemacht, die zu einem Prozess des Umdenkens geführt haben.

Der heutige Brandschutz wird nicht mehr allein auf Grundlage von bauaufsichtlichen und normativen Vorschriften geregelt. Es besteht die Möglichkeit durch die Anwendung verschiedener sicherheitsorientierter Ingenieurmethoden von den präskriptiven Vorgaben des Baurechts abzuweichen.
Des Weiteren können auf Grundlage der Nachweisergebnisse alternative Planungslösungen ausgearbeitet werden, spezifische Brandgefahren aufgezeigt und notwendige, aber machbare und vertretbare vorbeugende Brandschutzmaßnahmen sowie anlagentechnische und organisatorische Vorkehrungen definiert werden.

Im Rahmen dieser Nachweisverfahren lässt sich in Verbindung mit Objektbezogenen Brandschutzgutachten die Einhaltung der baurechtlich geforderten Schutzziele in verschiedensten Gebäuden und Bauwerken nachweisen.

Diese Ingenieurmethoden bieten in Verbindung mit baurechtlichen Festlegungen (z.B. Industriebaurichtlinie, Eurocodes) neue Möglichkeiten für eine wirtschaftliche brandschutztechnische Auslegung von Gebäuden.

Dem Brandschutzingenieurwesen stehen heute diverse Methoden zur ingenieurmäßigen Überprüfung der Sicherheit in Gebäuden zur Verfügung. Zur Abschätzung, über welchen Zeitraum eine raucharme Schicht für die flüchtenden Personen sichergestellt werden muss, sind z.B. auch Betrachtungen der Evakuierungszeit notwendig. Dieses umfasst neben den Alarmierungs- bzw. Reaktionszeiten auch den Zeitwert des Entfluchtungsvorgangs. Hierfür existieren verschiedene Ansätze wie z.B. Handrechnungen, hydraulische Modellrechnungen oder mikroskopische Entfluchtungsanalysen.
Ein weiterer Sektor bei den Ingenieurmäßigen Nachweisverfahren stellen die rechnergestützten Entrauchungsnachweise dar. Bei diesem Verfahren werden Methoden der numerischen Strömungsdynamik (Computational Fluid Dynamics CFD) eingesetzt, um die Temperaturverteilung, die Gasströmung (Konvektionsströmung, Auftriebsströmung, Ventilationsströmung) und weitere für die Brand- und Rauchausbreitung wichtigen Größen zu ermitteln.

Die innovativen Ingenieurmethoden des Brandschutzes werden mehr und mehr in das bauordnungsrechtliche Verfahren einbezogen und entsprechende Rahmenbedingungen beschrieben (vgl. Industriebaurichtlinie).
Diese modernen Nachweismethoden finden im baurechtlichen Verfahren bei den Behörden / Bauherren / Fachplaner und Architekten immer mehr Akzeptanz.

Dieser Vortrag soll neue Planungsperspektiven und Möglichkeiten bei der Gebäudebewertung auf der Grundlage aktueller Praxisbeispiele aufzeigen. Nicht zuletzt beschreibt dieser Beitrag Vorteile aber auch Besonderheiten der modernen Nachweisverfahren im Brandschutz.

Folgende Punkte werden unter anderem beim Vortrag thematisiert:

  • Möglichkeiten der ingenieurmäßigen Nachweisführung im Brandschutz
  • Informationen zur Brandsimulation
  • Informationen zur Evakuierungssimulation
  • Aktuelles aus der Forschung
  • Aktuelle Erfahrungen und Beispiele aus der Praxis
  • Ausblick
17:00 - 20:00 Uhr Awardveranstaltung